casablanca – weißes haus

By Lena

so müsste der name dieser stadt doch übersetzt heißen, oder? irre ich mich? es würde jedenfalls passen, denn weiß gestrichen sind tatsächlich viele der imposanten um die 100 jahre alten häuser mit französischem metropolencharme. guckt man aber genauer hin, ist das weiß eigentlich ein grau. was nicht verwunderlich ist, bei der zusammensetzung der luft. ich schätze mal 80% abgase, 10% fisch und 10% luft. wir hatten halsschmerzen, als wir am abend aus dem zug in rabat ausstiegen. einerseits waren da unsere ununterbrochenen gespräche schuld, andererseits aber auch diese stickige luft. wahnsinn! hab ich noch nie erlebt!
casablanca ist eine millionenstadt, direkt am atlantik gelegen. sie ist eine hafenstadt und ein wichtiger umschlagplatz für afrika. ein tor zu den anderen kontinenten. es wühlt, hupt, drängelt und rast nur so herum! der verkehr ist noch dichter und rasanter als irgendwo sonst. selbst in marakkesh war es nicht so schlimm. die medina soll nicht ungefährlich sein, selbst zur mittagszeit. meine güte… so, wie ich die stadt erlebt habe – aus dem fenster der taxen heraus – flößte sie mir gehörigen respekt ein. ich würde jedenfalls nicht sehr gern noch einmal – und schon gar nicht allein! – dorthin zurück fahren wollen.
aber in ortskundiger begleitung ist es auf alle fälle interessant.

[ein wagen mit pferd vor uns]

[ein petit taxi in (noch) sehr gutem zustand]

[baustelle mit soldat]

[und über allem wacht gütig der könig]

wir besuchten heute amina benbouchta in ihrem haus. sie gehört zur absoluten upperclass, was man in ihrem heim und an ihrer person selbst gut erkennen konnte. ich bin sehr begeistert von ihrem werk, was der kleine einblick in ihre welt nur noch verstärkte. ich empfinde es als schizophren: eine frau, die die rolle der perfekten frau, gattin und mutter in einem milieu der reichen und schönen 100%ig erfüllt, stellt auf punktgenaue art und weise ihre zwänge und unzulänglichkeiten in bildern und installationen dar. fast wie eine rechtfertigung: ja, ich erfülle meine pflicht als frau, aber ich zeige sie auch, so wie sie ist – ungeschönt und unbarmherzig. dabei geht sie ganz sensibel vor, benutzt simpelste zeichen und codes und trifft zielsicher den kern des ganzen. ihre arbeiten kreisen immer um die themen haus, behausung, innenleben und interieur. sie malt, fertigt collagen und baut installationen.

[detail - fotografiert in ihrem atelier]

[die arbeit DEMEURE (behausung) - zur zeit im cube zu sehen]

[elisabeth und amina - im atelier]

ihr patriarchenmann wird sich nicht sonderlich für ihre inhalte interessieren, aber wer sich ein bisschen mehr anschauen möchte, findet HIER etwas.

wir waren wie paralysiert in den anderthalb stunden in dem haus mit dem pool und dem garten und den ganzen perfekten arrangements. es gab espresso in kleinen hübschen tässchen, dazu köstliche schokoladentorte auf einem silbertablettchen serviert. das kleine bad sah aus wie ein einrichtungsbeispiel von laura ashley… ich musste dann ein kleines handtüchlein zum abtrocknen der hände benutzen. dazu lag ein kleiner stapel frischer frotteetücher bereit. aber wohin mit dem benutzten handtuch? ich habs einfach irgendwie anders gefaltet und neben den sauberen stapel gelegt… puuhhh… wie unangenehm… aber man muss ja sehen, dass es benutzt und aber trotzdem ordentlich hingelegt ist… aaaahh …

es wird ende oktober eine ausstellung in casablanca geben – mit ihr und zwei anderen künstlern. da fahren wir vielleicht noch mal hin. da mache ich mich dann auch mal schick. um die etikette zu wahren und respektieren!

aus dem zug heraus habe ich den gegenentwurf zur blitzeblanken amina-welt gesehen und versucht fotografisch festzuhalten. das abendlicht, gemischt mit smog, hat dies etwas erschwert. aber man wird es erkennen können.

[in diesiger ferne: die hafenanlagen von casablanca]

[behausungen an den bahngleisen]

[noch ein beweis, dass wir mit dem zug gefahren sind]

[beton ist ein beliebtes baumaterial in marokko]

[mann in unterwäsche wohnt an den gleisen und guckt aus dem fenster]

echt verrückt, diese welt.

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