Vier Tage Rabat

Lena hat mich gebeten, dem blog meine Reiseimpressionen beizusteuern. Diese Bitte erfülle ich gerne:

Vier Tage in Rabat sind natürlich viel zu kurz, um einen allumfassenden Einblick in ein Land zu gewinnen. Geschweige denn, dass die Zeit reicht, um sich zu erholen. Für mich kam Marokko als Reiseziel nie so wirklich in Betracht, denn ich wollte nicht ein Land besuchen, in dem ich mich als Frau nur eingeschränkt bewegen kann. Da Lena nun aber in Rabat arbeitet, wollte ich sie gerne besuchen und die Gelegenheit beim Schopfe fassen, nicht völlig „tourimäßig“ zu reisen. Und zugegebener Maßen, war ich dann doch neugierig. Und reiselustig bin ich ja sowieso. Der blog und die Fotografien von Törtchen haben mich angelockt. Gewissen Respekt vor dem als Frau alleine in der arabischen Welt Reisen hatte ich dennoch. Aber ich habe mich mit einem Ehering bewaffnet und über Paris den Flug nach Rabat angetreten.

Am Ende der Reise habe ich dann bedauert, nur so kurz da gewesen zu sein und habe große Lust bekommen, mir auch den Rest des Landes anzusehen. (Am besten aber doch mit männlicher Begleitung). Lena sei Dank. Denn ich habe von Beginn an von Ihren Erfahrungen und Bekanntschaften partizipiert und war somit gleich in den Alltag integriert. Und ich musste mir keinen Urlaubsorga-Stress machen. Die Sehenswürdigkeiten, die ich in Rabat gesehen habe, sind austauschbar, was mir aber immer in guter Erinnerung bleiben wird, sind die Menschen, die ich dort näher kennen lernen durfte und die mir Marokko auf ganz besondere Weise näher gebracht haben.

Zum Beispiel der „Blockwart“: Er lotst die Leute beim Einparken. Selbsternannt natürlich, um ein paar Dirham zu verdienen. Er ist den ganzen Tag in Lena`s Straße und scheint auch irgendwie immer zu schauen, ob alles klar geht. Und natürlich kennt er alle, die in der Straße wohnen oder arbeiten. So dann eben auch mich, weil Lena mich eingeführt hat. Also habe ich ihn auch immer schön brav begrüßt: „Bonjour. Ca va?“ Da hat er sich gefreut und ich habe mich sicher gefühlt. Und bestimmt hätte er gerne noch ein wenig geplaudert, aber leider „Je ne parle pas francais“. Ebenso der eifrig winkende Mann vom Nachbarhaus, der dann auch schon irgendwie Bescheid wusste, wo ich hingehöre. Es gibt sie auch, die Typen, die einen überall und bei jeder Gelegenheit etwas zuflüstern. Aber wie überall auf der Welt gibt es solche und solche. Und was das anlabern angeht, waren Lena und ich ja Zwei und haben uns in marokkanischer Frauenmanier untergehakt. Kommt man aber mit den Menschen ins Gespräch, erweisen sie sich als sehr freundliche Menschen mit einer gewissen Neugier. Gut fand ich, dass die Marokkaner nicht danach fragen, was man arbeitet oder welchen gesellschaftlichen Status man hat. Im Gegensatz zu vielen (West)Europäern spielt für sie das Persönliche eine größere Rolle: Sie fragen nach der Familie, was man so mag oder einem wichtig ist und wie es einem so geht – und diese Frage meinen sie auch ernst.

Bevor ich weiter über die Menschen spreche, noch ein paar Worte zur Stadt, denn schließlich war ich ja auch Touristin. Rabat hat nicht allzu viele Sehenswürdigkeiten zu bieten. Ein besonderer Ausflug war für mich der Besuch der Totenstadt am Sonntag. Auch weil das Wetter so schön war. Sonne. 20 Grad. Die Totenstadt ist eine kleine Oase, in der man sich ausgezeichnet vor dem Trubel und den Abgasmief der Stadt verkriechen kann und eintaucht in ein orientalisches Märchen. Obendrein klappern die Störche.

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Auch die Medina hat mich sehr beeindruckt und das Klischee vom Basar wurde hier bestätigt. Die Ausnahme war lediglich, dass die Händler in Rabatt nicht so beflissen europäische Kunden ansprechen wie ihre Kollegen auf anderen arabischen Märkten. Um den Preis feilschen ist in Rabat auch eher untypisch. Alles in Allem hat das aber den Vorteil, dass man sehr entspannt schlendern kann und die Sinne alle Zeit haben, die Farben, Gerüche, kulinarische Highlights und Geräusche zu genießen.

Die Menschen, die mir bereits aus Lenas Berichten bekannt waren, habe ich nun natürlich auch live erlebt: Elisabeth, Safaa Erruas (ihre künstlerische Arbeit hat mir außerordentlich gut gefallen), Karim (den Grafiker), den Jungen vom „Tante Emma Laden“. Aber eine Begegnung hat mich sehr berührt, das Treffen mit Khadija.

Ein Vorteil als Frau in Marokko unterwegs zu sein, ist, dass einem ein Einblick in die Frauenwelt gewährt wird. Und es ist erstaunlich, wie ähnlich die Wünsche, Träume und Bedürfnisse der jungen marokkanischen Frauen den unseren sind. Zumindest habe ich das bei Khadija so empfunden. Sie ist eine junge, kluge Frau und ein guter Mensch. Khadija schmeißt den Familienbetrieb, ein kleines Bistro und zwar sieben Tage in der Woche von Früh bis Spät. Ihre Mutter ist geschieden (Scheidungsrecht und Sorgerecht für Frauen gibt es in Marokko seit 2004!!- Immerhin). Khadija möchte was aus ihrem Leben machen, sie ist total reflektiert und möchte frei entscheiden können. Und genau da liegt das Problem. Sie hat keine Wahl. Sie ist den familiären und gesellschaftlichen Zwängen unterworfen. Darüber ist sie sehr verzweifelt. Von ihrer Situation zu hören, hat mich sehr traurig gemacht und ob meiner Hilflosigkeit wütend. Auch wenn mit der Emanzipation bei uns auch nicht alles prickelnd ist, kann ich doch freier entscheiden. Natürlich ist es vermessen als Europäerin in nur vier Tagen ein gesellschaftliches System umkrempeln zu wollen. Dafür kenne ich die Verhältnisse zu wenig. Ich glaube aber, viele Marokkanerinnen fügen sich ihrem Schicksal. Aber es gibt immer mehr selbstbewusste junge Frauen, die etwas an ihrer Situation ändern wollen. Na einige Männer wird es sicher nicht freuen. Glücklicherweise ist der derzeitige König ja sehr auf Reformkurs.

Ich muss oft an Khadija denken und ich erzähle hier viel von ihr. Sie gibt den Debatten in den westlichen Medien („Experten“ die z.T. über etwas sprechen, was sie gar nicht kennen) ein Gesicht. Irgendwie suche ich nach einer Möglichkeit, ihr zu helfen und ihren Drang nach Emanzipation (Das meine ich nicht mal Feministisch) zu unterstützen. Ich bin gespannt, was aus Khadija wird. Neben ihr habe ich noch zahlreiche Eindrücke mitgenommen und natürlich erinnere ich mich noch sehr gut an den süßen Minztee, die leckeren Tajine und die Törtchen….

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Nadine

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