Aid, la fète, und was uns noch alles passierte

Februar 23, 2009

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[fotos von dieser seite: http://picasaweb.google.com/klancyk1]

nun sind schon wieder einige wochen vergangen. ich bin längst zurück gekehrt. in meinem bericht fehlen aber noch ein paar wichtige ereignisse, über die ich unbedingt berichten möchte, zum beispiel unsere erlebnisse rund um das aid al-adha oder el-kebir, das islamische opferfest. denn ausgerechnet in diesen tagen wollten wir ein wenig an der küste entlang reisen….

am 4. dezember wurde das projekt feierlich mit der ausstellungseröffnung im cube beendet. am nächsten tag brachte ich meine eltern zum flugzeug und fuhr gleich anschließend nach casablanca um tristan abzuholen. ein gast jagte den anderen, quasi. aber es war schön und interessant zu sehen, wie rabat und marokko auf die anderen wirkte.
jedenfalls hatte ich nun freizeit, abgesehen von einigen nachbereitungsangelegenheiten. tristan und ich nahmen uns vor zu reisen. wir wollten die küste südlich von rabat erkunden. einfach mal raus aus der stadt. ein bisschen ferien machen, die luft genießen, uns an uns und dem meer erfreuen… na eben ganz unbeschwert urlaub machen.

doch diese reise stand unter keinem guten stern. gleich der erste zug hatte eine stunde verspätung. tristan meinte, dass heiße nichts gutes. mir dagegen war das noch völlig egal, schließlich hatte ich mich an marokkanische verhältnisse gewöhnt, und außerdem hat die deutsche bahn auch oft beträchtliche verspätungen. im zweiten zug war die luft außergewöhnlich stickig. erschwerend kam hinzu, dass mir gegenüber eine junge frau saß, die ganz ungerührt aus einer ihrer tausend täschchen ein fläschchen nagellackentferner holte und sogleich ihre fingernägel mittels dessen von altem nagellack befreite. wer sich jetzt denkt, dass dies doch nicht so schlimm sei, der gehe bitte sofort ins bad und halte seine nase direkt an die öffnung der nagellackentfernerflasche. so und noch viel schlimmer war der geruch im zug. mir war ein bisschen übel.

wir fuhren nach el-jadida. als wir aus dem bahnhofsgebäude kamen, waren die anderen reisenden schneller als wir und schnappten uns alle taxis vor der nase weg. als wir später auch in einem saßen und richtung stadt fuhren, wurden wir direkte zeugen eines auffahrunfalls. es handelte sich bei dem beschädigten fahrzeug um unser taxi. wir ließen uns an der strandstraße absetzen, dort wo die hotels ansässig waren. wir gingen gleich in das erstbeste, mussten es aber unverrichteter dinge wieder verlassen, weil ich keinen pass bei mir hatte. den ließ ich vorsorglich zu hause, damit er nicht wegkommt… was ein schwerwiegender fehler war, denn man MUSS einen pass vorweisen um ein zimmer zu bekommen. dies ist polizeilich vorgeschrieben.
wir befanden uns also schlagartig in einem dilemma: nach hause wollten wir nicht gleich wieder fahren, aber um weiter reisen zu können, brauchte ich meinen pass, denn ohne diesen konnten wir alles weitere vergessen. ich telefonierte zu meinen kontaktpersonen in rabat um hilfe, dass man mir den pass aus meiner wohnung hole und ihn scanne, damit ich wenigstens eine kopie habe. in der zwischenzeit konnten wir in einem anderen hotel die rezeptionsdame überreden, uns ein zimmer zu geben, was erst möglich war, nachdem tristan eine erklärung unterschrieb, in der stand, dass wir verheiratet sind. zudem teilte man uns mit, dass wir aber sowieso am nächsten tag 8:00 h das hotel verlassen müssen, da es dann schließen würde. der grund war LA FÈTE….
aber daran dachten wir an diesem abend noch nicht ernsthaft. einerseits waren wir erleichtert, einfach nur ein zimmer zu haben und die nacht nicht draußen verbringen zu müssen, denn es regnete in abständen immer wieder. andererseits wussten wir aber nicht recht, was weiter passieren und ob es überhaupt sinn machen würde die reise fortzusetzen, da über allen gedanken an weitere vorhaben die diffuse vorstellung von LA FÈTE schwebte. je später der abend, desto elender fühlten wir uns, da es kalt und nass war und das zimmer sich als muffig, ebenfalls kalt und dadurch sehr unwirtlich herausstellte. wir beschlossen, eine münze zu werfen. kopf hieß: weiter fahren. zahl: nach hause. wir warfen erst zahl. dann kopf. und dann nochmal zahl.

nächster morgen, 8. dezember, tag des festes. punkt 8 uhr standen wir frierend und müde vor dem hotel. die straßen waren wie leer gefegt. wir baten den portier uns ein taxi zu rufen. wir meinten eigentlich telefonisch, aber er kam auch freundlicherweise mit auf die straße – und konnte dennoch kein taxi herbeizaubern. also schritten wir verzagt in richtung bahnhof, der einige kilometer außerhalb der stadt lag. ein petit taxi nahm uns mit, dessen fahrer uns kopfschüttelnd erklärte, dass doch heute der tag von LA FÈTE sei und keine züge fahren würden. ich hatte ja schon gehört, dass es ein wichtiges fest ist – in seiner tragweite ungefähr mit unserem weihnachten vergleichbar. aber zu weihnachten fahren doch züge, erinnerte ich mich noch… da kam schon der bahnhof von el-jadida in sichtweite. keine menschenseele war zu sehen, außer zwei bahnhofswärtern, die vor dem geschlossenen bahnhofstor standen und abwehrend mit den armen winkten. wir stiegen gar nicht erst aus. unser taxifahrer, der sehr gesprächig war und mir noch auf der fahrt zum bahnhof die lange liste aller frankophonen staaten afrikas namentlich aufzählte, meinte, wir könnten noch glück haben und ein grand taxi erwischen, denn es war ja erst 8:30 uhr. er hatte recht. in windeseile packte man unser gepäck in den alten mercedes benz, in dem wir die einzigen fahrgäste waren (normalerweise sechs fahrgäste plus fahrer, manchmal mehr) und scherzte, ob wir nicht zum fest bleiben wollen, man würde uns zum schlachten in die familie einladen… he he… ich lehnte freundlich dankend ab.

wir rumpelten also von el-jadida über die landstraßen zurück nach casablanca, vorbei an kleinen dorfgemeinden, in denen gottesdienste unter freiem himmel abgehalten wurden, oder sich feierlich gekleidete menschenmengen vor der moschee versammelten. dies war die phase vor dem opferakt, welcher dann zwischen 10 und 11 uhr stattfand. der könig ist derjeninge, der dem ersten hammel im land die kehle durchschneidet. dann darf das volk beginnen.
wir kamen im menschenleeren casablanca nach einer stunde fahrtzeit an. an einer roten ampel sprang der taxifahrer aus dem wagen und fragte den fahrer des petit taxis vor uns, ob er uns mitnehmen würde. der mann sagte zu. wir hasteten schnell ins nächste gefährt. der fahrer raste zum taxistand für die taxis mit richtung rabat. aber dort stand kein taxi mehr. die uhr tickte. um 10 uhr wollte offensichtlich jeder zu hause sein. schon jetzt lag die stadt wie ausgestorben da. es herrschte eine seltsame stimmung – jedenfalls kam es uns so vor. ein paar jungs schürten bereits das feuer für einen grill, auf welchem in kürze der kopf des hammels schmoren würde. sie verwiesen uns zum busbahnhof. die letzte chance aus casablanca weg zu kommen bevor die schlachtungen beginnen würden. wir hätten ja nicht einmal ein café aufsuchen können, denn alles war geschlossen.
aber, dem himmel und wer auch immer darin welche fäden zieht sei dank, genau 10 uhr fuhr ein CTM-reisebus nach rabat. wir hatten fünf minuten um einzusteigen. erleichterung!
bis hierher lief die rückreise also reibungslos. komisch. alles deutete darauf hin, dass wir wohl nach rabat gehörten und keine reise ins land unternehmen sollten. auch als wir am rande rabats mit dem gepäck an der straße standen und uns schon mit dem gedanken abgefunden hatten laufen zu müssen, hielt ein auto mit einem freundlichen fahrer an und fragte, ob wir mit in die stadt fahren möchten. er kam gerade aus ifrane, einer stadt in den bergen, und wollte seine familie in rabat besuchen. auf dem rücksitz befanden sich tupperdosen mit salaten für das festessen. er war, wie alle anderen personen, die uns an diesem tag begegneten, sehr freundlich und hilfsbereit. er fuhr uns nicht nur ins stadtzentrum, sondern direkt vor die haustür. sehr nett. wir waren ihm unendlich dankbar.

die freude über diese geglückte rückreise war groß und konnte anfangs auch nicht von dem gigantischen grill getrübt werden, der direkt unter dem fenster unserer wohnung installiert war, und auf welchem bereits mehrere hammelköpfe schmorten. es qualmte in dicken schwarzen schwaden – geradewegs die hauswand hoch. ich wohnte im ersten stock. als wir die wohnunsgtür aufmachten, fielen wir fast um: die wohnung war blau vor qualm. es stank nach versengter haut, knochen und horn. ein widerlicherer geruch ist mir selten begegnet… er hing noch zwei tage nach dem fest in der wohnung. ich werde ihn nie vergessen.

wir verließen das haus und kehrten erst am späten abend wieder zurück. auf unseren streifzügen durch die stadt und am strand entlang hatten wir das gefühl von endzeit. überall kamen uns die blutverschmierten schlächter entgegen, wir sahen umgekrempelte tierhäute an den straßenrändern aufgehäuft liegen, die wie weiße, aufgeschlitzte bäuche aussahen, blut rann in kleinen bächen die rinnsteine entlang und überall qualmten die offenen feuer in den straßen, auf denen die hammelköpfe verkohlten. wir hatten zwar viel und lange über dieses fest diskutiert, vor allem unter dem gesichtspunkt der zustände von tierhaltung und -schlachtung in unserem heimatland und der art und weise des rituellen tötens und des teilens in familie und nachbarschaft und so weiter. aber ich fand es trotzdem schrecklich. (ich bin seit 16 jahren vegetarier. ich lehne praktisch jede form von tiertötung ab.)

… fortsetzung folgt.

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Vier Tage Rabat

Dezember 1, 2008

Lena hat mich gebeten, dem blog meine Reiseimpressionen beizusteuern. Diese Bitte erfülle ich gerne:

Vier Tage in Rabat sind natürlich viel zu kurz, um einen allumfassenden Einblick in ein Land zu gewinnen. Geschweige denn, dass die Zeit reicht, um sich zu erholen. Für mich kam Marokko als Reiseziel nie so wirklich in Betracht, denn ich wollte nicht ein Land besuchen, in dem ich mich als Frau nur eingeschränkt bewegen kann. Da Lena nun aber in Rabat arbeitet, wollte ich sie gerne besuchen und die Gelegenheit beim Schopfe fassen, nicht völlig „tourimäßig“ zu reisen. Und zugegebener Maßen, war ich dann doch neugierig. Und reiselustig bin ich ja sowieso. Der blog und die Fotografien von Törtchen haben mich angelockt. Gewissen Respekt vor dem als Frau alleine in der arabischen Welt Reisen hatte ich dennoch. Aber ich habe mich mit einem Ehering bewaffnet und über Paris den Flug nach Rabat angetreten.

Am Ende der Reise habe ich dann bedauert, nur so kurz da gewesen zu sein und habe große Lust bekommen, mir auch den Rest des Landes anzusehen. (Am besten aber doch mit männlicher Begleitung). Lena sei Dank. Denn ich habe von Beginn an von Ihren Erfahrungen und Bekanntschaften partizipiert und war somit gleich in den Alltag integriert. Und ich musste mir keinen Urlaubsorga-Stress machen. Die Sehenswürdigkeiten, die ich in Rabat gesehen habe, sind austauschbar, was mir aber immer in guter Erinnerung bleiben wird, sind die Menschen, die ich dort näher kennen lernen durfte und die mir Marokko auf ganz besondere Weise näher gebracht haben.

Zum Beispiel der „Blockwart“: Er lotst die Leute beim Einparken. Selbsternannt natürlich, um ein paar Dirham zu verdienen. Er ist den ganzen Tag in Lena`s Straße und scheint auch irgendwie immer zu schauen, ob alles klar geht. Und natürlich kennt er alle, die in der Straße wohnen oder arbeiten. So dann eben auch mich, weil Lena mich eingeführt hat. Also habe ich ihn auch immer schön brav begrüßt: „Bonjour. Ca va?“ Da hat er sich gefreut und ich habe mich sicher gefühlt. Und bestimmt hätte er gerne noch ein wenig geplaudert, aber leider „Je ne parle pas francais“. Ebenso der eifrig winkende Mann vom Nachbarhaus, der dann auch schon irgendwie Bescheid wusste, wo ich hingehöre. Es gibt sie auch, die Typen, die einen überall und bei jeder Gelegenheit etwas zuflüstern. Aber wie überall auf der Welt gibt es solche und solche. Und was das anlabern angeht, waren Lena und ich ja Zwei und haben uns in marokkanischer Frauenmanier untergehakt. Kommt man aber mit den Menschen ins Gespräch, erweisen sie sich als sehr freundliche Menschen mit einer gewissen Neugier. Gut fand ich, dass die Marokkaner nicht danach fragen, was man arbeitet oder welchen gesellschaftlichen Status man hat. Im Gegensatz zu vielen (West)Europäern spielt für sie das Persönliche eine größere Rolle: Sie fragen nach der Familie, was man so mag oder einem wichtig ist und wie es einem so geht – und diese Frage meinen sie auch ernst.

Bevor ich weiter über die Menschen spreche, noch ein paar Worte zur Stadt, denn schließlich war ich ja auch Touristin. Rabat hat nicht allzu viele Sehenswürdigkeiten zu bieten. Ein besonderer Ausflug war für mich der Besuch der Totenstadt am Sonntag. Auch weil das Wetter so schön war. Sonne. 20 Grad. Die Totenstadt ist eine kleine Oase, in der man sich ausgezeichnet vor dem Trubel und den Abgasmief der Stadt verkriechen kann und eintaucht in ein orientalisches Märchen. Obendrein klappern die Störche.

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Auch die Medina hat mich sehr beeindruckt und das Klischee vom Basar wurde hier bestätigt. Die Ausnahme war lediglich, dass die Händler in Rabatt nicht so beflissen europäische Kunden ansprechen wie ihre Kollegen auf anderen arabischen Märkten. Um den Preis feilschen ist in Rabat auch eher untypisch. Alles in Allem hat das aber den Vorteil, dass man sehr entspannt schlendern kann und die Sinne alle Zeit haben, die Farben, Gerüche, kulinarische Highlights und Geräusche zu genießen.

Die Menschen, die mir bereits aus Lenas Berichten bekannt waren, habe ich nun natürlich auch live erlebt: Elisabeth, Safaa Erruas (ihre künstlerische Arbeit hat mir außerordentlich gut gefallen), Karim (den Grafiker), den Jungen vom „Tante Emma Laden“. Aber eine Begegnung hat mich sehr berührt, das Treffen mit Khadija.

Ein Vorteil als Frau in Marokko unterwegs zu sein, ist, dass einem ein Einblick in die Frauenwelt gewährt wird. Und es ist erstaunlich, wie ähnlich die Wünsche, Träume und Bedürfnisse der jungen marokkanischen Frauen den unseren sind. Zumindest habe ich das bei Khadija so empfunden. Sie ist eine junge, kluge Frau und ein guter Mensch. Khadija schmeißt den Familienbetrieb, ein kleines Bistro und zwar sieben Tage in der Woche von Früh bis Spät. Ihre Mutter ist geschieden (Scheidungsrecht und Sorgerecht für Frauen gibt es in Marokko seit 2004!!- Immerhin). Khadija möchte was aus ihrem Leben machen, sie ist total reflektiert und möchte frei entscheiden können. Und genau da liegt das Problem. Sie hat keine Wahl. Sie ist den familiären und gesellschaftlichen Zwängen unterworfen. Darüber ist sie sehr verzweifelt. Von ihrer Situation zu hören, hat mich sehr traurig gemacht und ob meiner Hilflosigkeit wütend. Auch wenn mit der Emanzipation bei uns auch nicht alles prickelnd ist, kann ich doch freier entscheiden. Natürlich ist es vermessen als Europäerin in nur vier Tagen ein gesellschaftliches System umkrempeln zu wollen. Dafür kenne ich die Verhältnisse zu wenig. Ich glaube aber, viele Marokkanerinnen fügen sich ihrem Schicksal. Aber es gibt immer mehr selbstbewusste junge Frauen, die etwas an ihrer Situation ändern wollen. Na einige Männer wird es sicher nicht freuen. Glücklicherweise ist der derzeitige König ja sehr auf Reformkurs.

Ich muss oft an Khadija denken und ich erzähle hier viel von ihr. Sie gibt den Debatten in den westlichen Medien („Experten“ die z.T. über etwas sprechen, was sie gar nicht kennen) ein Gesicht. Irgendwie suche ich nach einer Möglichkeit, ihr zu helfen und ihren Drang nach Emanzipation (Das meine ich nicht mal Feministisch) zu unterstützen. Ich bin gespannt, was aus Khadija wird. Neben ihr habe ich noch zahlreiche Eindrücke mitgenommen und natürlich erinnere ich mich noch sehr gut an den süßen Minztee, die leckeren Tajine und die Törtchen….

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Nadine

warum denn…

November 30, 2008

… auch nicht! heute war ich einmal beim frisör:

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khadija

November 7, 2008

ich habe jetzt eine freundin. khadija. sie besitzt einen kleinen laden, in dem sie zusammen mit ihrer schwester und zwei weiteren frauen essen zubereitet – und zwar alles das, was ich am liebsten esse: verschiedene crepes mit honig. crepes mit zwiebeln. harira ohne (!) fleisch, couscous, frittierte kartoffeln mit kräutern und gewürzen innen, warmer auberginensalat, joghurt, buttermilch, gebratene sardinen usw. usf. ein fabelhafter laden ist das! ich gehe fast täglich zu khadija! es gibt auch immer etwas zu erzählen. ich setze mich an eine der drei tische und rede mit ihr, oder gucke einfach auf der straße den leuten zu oder beobachte die gäste im laden… das gefällt mir sehr gut. so bekommt man eine menge mit.

heute abend fiel mir fast die decke auf den kopf. deshalb ging ich nochmal eine runde um den block, mit dem vorhaben, mir am ende noch ein crepe bei khadija zu genehmigen und dann wieder nach hause zu schlendern. aber heute hatte sie zeit und setzte sich mit mir vor ihre theke. wir unterhielten uns das erste mal richtig. und so erfuhr ich etwas über ihr leben. sie hatte nämlich mal begonnen zu studieren. dabei lernte sie auch englisch sprechen – wir unterhalten uns die meiste zeit auf englisch. da aber ihre mutter den laden nicht mehr alleine führen konnte bzw. mehr hilfe benötigte, musste khadija das studium abbrechen. sie sagte, dass sie alles für ihre mutter tut, denn seit ihre eltern sich vor zehn jahren scheiden ließen, hat sie die drei kinder alleine durchgebracht. das finde ich sehr ehrenvoll. zumal wenn man bedenkt, dass sie jeden, also JEDEN tag hinter der theke steht und essen verkauft. auch am sonntag. sie hat nur ganz selten mal frei, denn die miete ist sehr teuer. außerdem bindet sie die kundschaft an den laden (so wie mich) durch ihre freundliche, offene art. wenn sie also mal nicht da ist, kommen auch weniger besucher, denn viele kommen wegen ihr – so wie ich.
nächstes jahr wird sie heiraten. das steht schon fest. ihr versprochener mann wohnt in meknès. sie sehen sich mindestens einmal im monat. und sie freut sich schon auf ihr neues leben, sagt sie. aber sie hat auch ein schlechtes gewissen, die familie mit dem laden allein zu lassen. aber so ist das leben eben, meinte sie am schluss.
nun, wir haben uns ausgemacht, dass wir demnächst, wenn sie zeit hat, zusammen einen kaffee trinken oder mal am strand spazieren gehen wollen. ich habe sie zur ausstellungseröffnung eingeladen. und hoffe, dass sie es schafft zu kommen.

jedenfalls für alle, die mich besuchen kommen, warten bereits die leckersten köstlichkeiten in khadijas laden! ich werde jeden meiner gäste dorthin führen!
auch wenn sich bis jetzt noch die küchenschaben hinter und vor dem bild von könig und königin tummeln… hehe. ich werde nächste woche mal diese effektiven giftfallen kaufen und sie hinter khadijas theke installieren. diese plage hat bald ein ende! und ich kann in dem zuge khadija auch mal was gutes tun – denn sie lädt mich auch immer mal zu einem tee ein.
ich freue mich jedenfalls über diese nette bekanntschaft. durch khadija lerne ich nun auch ein bisschen die damenwelt des orient kennen. lamiaa aus dem centre ist ja eher nicht so interessiert daran etwas preiszugeben bzw. ist bei ihr auch einfach weniger los. khadija dagegen ist gesprächig, gewitzt und extrem auf zack! und das finde ich prima!

demnächst werde ich ihren laden, ihr sortiment und sie selber fotografieren.
aber bis dahin wird man vorlieb nehmen müssen mit einer ansicht aus der priatenfestung, die ich vor ca. drei wochen fotografiert habe, als ich mit der pariserin bouchra und ihrem neffen jamal unterwegs war.
dieses foto hat mir einiges unverständis eingebracht, da es nicht dem herkömmlichen bild einer sehenswürdigkeit entspricht. ein paar marokkanerinnen lachten mich aus und sagten, dass sie auch einen alten tisch zu hause hätten. da könne ich doch mal vorbeikommen und ihn für 10 Dh ablichten.
haha.

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6. november – der grüne marsch

November 6, 2008

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heute ist der 6. november, also nationalfeiertag in marokko. die großen betriebe und adminsitrationen haben geschlossen. es ist sehr ruhig auf den straßen. jedenfalls jetzt noch, 11:00 h am vormittag.
nach zwei wochen fast ununterbrochenem, zum teil wasserfallartigem regen scheint nun heute endlich die sonne! herrlich! es ist auch gleich wieder schön warm. da werd ich mir nachher mal pommes frites holen für die parkbank in der sonne (hoffentlich ohne typ, der sich gleich daneben setzt und ein gespräch anfängt. aber wahrscheinlich kann es dafür keine hoffnung geben…)
ich habe mich gefragt, was denn den heutigen tag zum nationalfeiertag macht, und ein bisschen im internet recherchiert. vor 33 jahren hatte der könig hassan II. sein volk zu einem zivilen marsch in die westsahara aufgerufen, wovon (befohlene) 350.000 menschen loszogen. es ging um den konflikt, der bis heute um diese region herrscht. damals hatte sie noch spanien für sich beansprucht. hassan II. wollte sie aber für marokko. mauretanien war auch interessiert und algerien sowieso. das volk, welches in westsahara wohnt, wurde und wird dabei im übrigen nicht gefragt… da spanien nicht abziehen wollte, übte hassan II. druck aus. mit einem friedlichen marsch wollte er symbolisieren, wie ernst es ihm um die sache ist. das ereignis wird „der grüne marsch“ genannt, weil grün die farbe des islam ist.
wie ist es ausgegangen: es gab verschiedene verhandlungen, truppenaufmärsche und -abzüge, sich formierende aufständige und geheimabkommen…. ein hin und her über mehrere monate hinweg. und eigentlich geht es nämlich um die reichen phosphatvorkommen in westsahara.
irgendwie ist jetzt die region nun wohl zwischen marokko und mauretanien aufgeteilt. aber die aufständigen kämpfen bis heute für die unabhängigkeit der region… alles also ein ziemlich schwieriges unterfangen. man sollte übrigens auch als tourist diese region meiden, da es ständig zu spannungen und konflikten kommen und man dann womöglich in eine schusslinie geraten kann.
ich habe eine sehr gut aufgeschlüsselte erläuterung der vorkommnisse von damals gefunden. wer sich also für die hintergründe interessiert: BITTESCHÖN!
da gibt es auch ein interessantes propaganda video. ich verlinke gleich mal directement: VIDEO „LA MARCHE VERTE“

ich habe heute aber nicht frei. denn ich bin ja auch keine marokkanerin. dafür mach ich jetzt mal die fenster weit auf, damit es auch drinne warm wird! hurraaa!

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mein kleiner freund von gegenüber hat heute auch nicht frei. er hilft seinem (wahrscheinlich) vater jeden tag in dem kleinen lebensmittelgeschäft – hanut. und offensichtlich geht er auch nicht in die schule. dabei ist er vielleicht gerade mal 13 jahre alt.

übrigens die wölkchen da hinter dem grünen halbmond von der pharmacie haben sich in der zeit, in der ich hier am blog schreibe zu einer dicken wand verdichtet… mal sehen, was das wieder wird…

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einfach mal zu hause bleiben…

November 2, 2008

… und ein bisschen aus dem fenster schauen.

man muss nicht immer draußen herum strolchen, wo es doch auch drin stets etwas zu erleben gibt:

über meiner küche ist scheinbar der balkon der obermieter…

ansonsten: die genesungswünsche nebst wundermittel CLAVULIN plus heizung tun ihre wirkung. und ende der woche soll es wieder sonne geben und 22°C.
die wettervorhersage als hoffnungsträger.

eine angina in marokko

Oktober 31, 2008

da die halsschmerzen nun also so stark sind, dass ich davon in der nacht aufgewacht bin, habe ich mich entschlossen mal zum arzt zu gehen. ich erhielt die empfehlung, mich einem gewissen herrn chaibli vorzustellen. er hat seine praxis gleich hier um die ecke. als ich aber am arzthelferinnenthresen stand, wurde mir erklärt, dass der docteur heute nicht arbeite. die arzthelferin war dabei sehr unsympatisch und extrem stark und – wie ich fand – unvorteilhaft geschminkt und zudem auch noch geschmacklos gekleidet – kurz: sie war extrem AUFGEDONNERT. dabei würde ihr wahrscheinlich mal etwas sport und/oder gesundes essen viel besser stehen… wenigstens konnte ich ihr die adresse eines anderen arztes aus dem kreuz leiern (doofe schnepfe!).
die adresse fand ich dann auch, nur ein paar häuser weiter. hier praktiziert herr daoudi, ein arzt für hals-, nasen- und ohrenkunde. auch er war im moment nicht da, aber ich sollte einfach kurz warten – sagte die im übrigen sehr nette und rücksichtsvolle sprechstundenhilfe – mit kopftuch und brille.
ich wurde ins wartezimmer gebeten. dort ärgerte ich mich, nicht das fotohandy eingesteckt zu haben. ein stilles beispiel marokkanischer einrichtungsmode der achtziger jahre empfing mich dort in form eines massiven dunkelbraunen couchtisches mit glasplatte und kunstledernen niedrigen polstern, ebenfalls dunkelbraun. die fensterrahmen auch dunkelbraun. die decke war im übrigen in violettem glanzlack gestrichen. an der wand hing ein ensemble von oldtimer abbildungen.
dort wäre ich fast eingeschlafen. aber noch rechtzeitig bat man mich ins vorzimmer des arztzimmers. das war so ein praxisraum mit liege, glasschrank, seltsamen apparaturen und bildern von ohrquerschnitten. alles etwas ältlich. aber mit sicherheit voll funktionstüchtig – oder mit allen allen mitteln wieder funktionstüchtig gemacht! wie ja auch die alten busse, die hier zur nahverkehrsflotte gehören…
monsieur daoudi war ein sportlicher älterer herr. er begrüßte mich freundlich. sein arztzimmer versprühte ebenfalls diesen hölzern/gläsernen achtziger charme. er schaute tief in meinen rachen hinein und freute sich: „vous avez une belle angine, madame!“ – „sie haben da eine schöne angina, meine dame.“ das lichtgerät übrigens ist auch ein paar worte wert. es ist so ein spiegellicht gewesen, wie es die hals-, nasen-, ohrenärzte eben so haben – ein haarreifen mit einem runden spiegel an der stirn, damit man schön in den hals leuchten kann. nur hier war am hinterkopf eine amtliche flachbatterie befestigt, und vorne, vor dem spiegel, war ein kleines lämpchen (marke puppenhaus) angebracht – als lichtquelle. ein tolles gerät!
zudem schraubte herr daoudi auch meine nasenflügel auf, um zu gucken, ob da nicht auch was krankes die nebenhöhlen verstopft. und in die ohren wurde auch geschaut. schön. HNO eben.
er schrieb mir dann viele medikamente auf (von denen ich aber nur zwei kaufte…) und bat mich nochmals in das vorzimmer. dort erhielt ich eine maske auf nase und mund, die durch einen schlauch mit einem dieser seltsamen geräte verbunden war und laut dröhnte, und musste eine zeitlang etwas einatmen – es roch ein kleines bisschen nach minze. hm. war jedenfalls nichts schlimmes.
aber ich habe mich nun nochmals sehr geärgert, kein foto machen zu können.
tja.
nun sitze ich zu hause in meinem salon. unter dem tisch steht der heizlüfter und wärmt mir bei bedarf die füße. (fotografiert, auf wunsch eines einzelnen fiesen lesers.) es ist sehr kalt in den häusern. draußen herrscht ein sturm, und ab und zu regnet es. mist! aber wenigstens muss ich sowieso zu hause bleiben. denn da habe ich nun endlich meine möglichkeit zum schwimmen erkämpft (erkämpfen lassen… beziehungen!) und kann sie gar nicht nutzen! geht aber eh nur bei warmen wetter, da sich der pool, wie bereits erwähnt, auf dem dach befindet.

so. und jetzt leg ich mich wieder hin.

erst kakao, dann bier

Oktober 27, 2008

schön, wenn es nach getaner arbeit kakaomilch gibt….
heute war die erste gruppe kinder um cube. wir haben uns die arbeit von hassan echair angeschaut. und ausgerechnet das „integrationskind“ kam als einziges kind darauf, was hassan mit seinen gebilden wohl meinen könnte:

steine.
bravo, chamseddine!

von dem treffen mit den kindern war mein tag bestimmt. und so kann man jetzt auch schon ein paar ihrer stimmen hören: RABAT LEIPZIG

im tulip hotel habe ich mit einem unterdirektor gesprochen, ob es denn möglich sei, dass ich das schwimmbad benutze. er sagte, dass es nicht möglich sei. aber er wird morgen noch mal mit einem überdirektor sprechen. vielleicht nützt es ja was.

das wetter war wieder unglaublich schön. sonne, sonne, sonne. bestimmt um die 26°C. und ich war die meiste zeit im büro. naja. aber ich hab ein bild vom innenhof gemacht. man sieht hier die hübschen sicherungen aus grünem glas am elektromast, wie sie in der sonne glitzern…

übrigens: sehr zu empfehlen, wenn mal jemand in marokko sein sollte: casablanca beer! hat ein hübsches etikett, die flasche sieht auch gut aus und, was das wichtigste ist: es schmeckt!!!

virtuelle würmer und reelle

Oktober 26, 2008

nach einer arbeitsreichen woche möchte ich nun in aller kürze zusammen fassen, was die wichtigsten ereignisse der letzten tage waren. anfang der woche wurde ich von einem fiesen virus im computer auf trab gehalten. dank rachid, dem webadministrator, konnte er eliminiert werden. und zudem weiß ich jetzt auch, wie man diesbezüglich in zukunft vorgeht. toll, welche kompetenzen man so nebenbei in marokko erlangt!
leider blieb es nicht bei dem virtuellen biest. heim in die wohnung gekommen musste ich gleich eine ganze familie silberfische unsanft aus meinem BETT!!! entfernen. wie unangenehm! (seitdem krabbelts mir im ohr… wer weiß, ob da nicht in einer vorherigen nacht ein gliederfüßer reingekrabbelt ist… sie lieben ja dunkle gänge… uuuäääähhh!)
es gibt ein sehr wirksames insektizid namens BAYGON. damit habe ich dann ordentlich das schlafzimmer einsprüht. und das bad gleich mit. mit dem ergebnis, dass ich nach ein paar stunden, als ich wieder zurück in die wohnung kam, eine überdimensional große kakerlake tot auf dem badezimmerboden liegen sah. gigantisch groß war das tier! vor lauter schock habe ich sie nicht fotografiert. hätte ich aber mal machen sollen, denn mir glaubt ja keiner, wie groß die war! ich hätte ein handelsübliches feuerzeug oder ein handy zum vergleich daneben legen sollen… seitdem fühle ich mich nicht mehr so allein in der wohnung… aber auch nicht so wohl. denn ich erwarte bei jedem blick ins bad eine neue überraschung. bisher blieb die aber aus. ich habe kakerlaken-gift-fallen aufgestellt. scheinbar hilft das was.
die silberfische aber sind hartnäckig. gerade eben habe ich wieder zwei besprüht, weil sie frecherweise auf meinem schreibtisch herum schnüffelten.
das bett steht nun im salon, weit abgerückt von der wand. soviel zum leben in afrika.

ansonsten habe ich von rabat diese woche nicht mehr sehr viel neues gesehen. mein radius beschränkt sich auf den weg von wohnung zum centre und zurück. achso, der saal des kulturministerium wurde von mir dreimal hintereinander besucht, denn es ereignete sich das internationale festival der zupfsaiteninstrumente in rabat. ja! so etwas gibt es hier. bei den instrumenten handelte es sich vornehmlich um konzertgitarren. das war auch ganz angenehm. ich habe ein schweizer trio gesehen, welches stücke wie den bolero von bizet für gitarre umgeschrieben hatte (nett), einen belgier, der blues spielte und sang (langweilig) und einen spanier, der (natürlich) flamenco zum besten gab. aber das tat er sehr gut und interessant. außerdem konnte ich gut nachdenken im dunkel des saales beim hören der musik.

zudem habe ich am monatg die kinder in der schule kennen gelernt. sie sind ja alle noch sehr klein. aber sehr pfiffig! sie zeichnen prima bilder. und ich bin mir sicher, dass unser projekt ganz vortreffliche ergbnisse hervorbringen wird! hier gibts schon etwas zu sehen: RABAT LEIPZIG


dazu kommt, dass wir einen kleinen ausstellungskatalog produzieren. das heißt, ich produziere ihn. und das heißt wiederum, dass ich ab nun sehr viel zu tun habe und das touristendasein vorbei ist. aber das finde ich nicht schlimm. im gegenteil – wie pepe sehr richtig festgestellt hat, ist es einfacher sich zu bewegen, wenn man in einer aufgabe eingebunden ist. jetzt fängt richtiger alltag an. und das ist gut.

mein marokkanischer freund hat mich zweimal zu den zupfsaiteninstrumenten begleitet. und mir dabei einen sehr sympatischen kleinen laden gezeigt, in dem man exzellentesten frisch gepressten fruchtsaft trinken kann. zudem gehört ein entzückendes kätzchen zum geschäft dazu. noch ein grund mehr, immer mal dorthin zu gehen. zumal der besitzer, ein sehr ernsthafter, barttragender moslem, mich zum wieder kommen eingeladen hat. sehr nett.

morgen habe ich neben verschiedenen anderen terminen noch eine lose verabredung mit der verwaltung des tulip hotels in rabat. die haben da nämlich einen swimming pool der extraklasse – auf dem dach! mit blick über die nachbarstadt salé! und ich möchte doch so gerne schwimmen gehen. natürlich ist dieser pool nur für die gäste des hotels reserviert. aber zur zeit schwimmt dort niemand, da es den marokkanern zu kalt dafür ist (bei sonne 23°C außentemperatur… also wirklich!). aber es ist voller wasser und zum schwimmen bereit! naja, mal sehen, was sie sagen, und ob ich sie überreden kann. vielleicht mit dem versprechen des konsums eines überteuerten essens nach jedem schwimmen… puh!

Life’s Good

Oktober 18, 2008

so langsam erdrücken mich die eindrücke. ich reflektiere zwar regelmäßig, wenn ich zum beispiel schreibe oder elisabeth von meinen entdeckungen berichte, aber es passiert so viel um mich herum, dass ich ganz erschlagen bin. trotzdem blieb ich auch heute nicht zu hause. denn ich war mit adil verabredet. er wohnt nicht in rabat direkt sondern in der nachbarstadt salé. sie ist durch einen fluss, den bou regreg von rabat getrennt. bald wird es eine straßenbahn geben, die beide städte verbindet. aber bisher ist die strecke nur eine baustelle. deshalb liefen wir zu fuß so lange das ging. am fluss mussten wir natürlich übersetzen. adil machte uns ein boot klar. es handelte sich um ein kleines fischerboot, was auch personen von ufer zu ufer transportiert. das war ganz abenteuerlich und auch lustig, denn wir fuhren da zu zehnt in so einem kleinen boot. das konnte ich natürlich nicht fotografieren, aber dafür dann das hafengelände, dass ich bisher nur vom anderen ufer aus gesehen hatte. auch dort wird viel gebaut. später sollen hier restaurants und vergnügungsetablissements entstehen. adil erklärte mir, dass dies eines der projekte des königs ist, welches er zum aufschwung der region realisieren lässt. vor allem sind dort aber reiche ölscheichs aus den arabischen emiraten beteiligt, die dann wohl auch mit ihren hotels und bars das meiste geld abschöpfen werden. adil bezweifelt, dass es tatsächlich zu einer finanziellen verbesserung der anwohner kommen wird. nun ja. bisher ist, wie gesagt, noch nicht viel zu sehen. es war auch sehr ruhig auf diesem kleinen niemandsland. das fand ich sehr angenehm.

[der blick über den bou regreg nach rabat von salé aus]

[heute noch eine baubude, und morgen schon ein nachtclub…]

[wenn flut ist, gibt es hier besonders viele fische. auf den steinen kann man gut sitzen und über das meer philosophieren.]

[an der straße nach salé. hinter dieser mauer liegt das meer. die kinder dort spielen fußball – ein beliebter sport in marokko.]

vom strand aus liefen wir eine lange straße nach salé hinein. sie wurde gesäumt von dem großen friedhof der stadt. glücklich, wer hier für immer schläft, mit dem blick aufs meer. der friedhof veranlasste uns zu einer längeren diskussion über begräbnisse. adil erklärte mir, wie muslime ihre toten begraben. und ich berichtete von den christlichen grablegungen. wenn das nicht ein interkultureller austausch ersten grades war!

allerdings gab es auch verständnisschwierigkeiten was die handhabe der urnenbeisetzung betraf. adil konnte nicht verstehen, warum man so etwas macht. im islam würden noch nicht einmal die körper der tiere verbrannt, wenn diese gestorben sind. es handele sich doch dabei um körper, die einmal gelebt hatten. und ob nun tot oder lebendig, es seien jeweils trotzdem noch menschen oder tiere. da musste ich ihm recht geben. und ehrlich gesagt konnte ich ihm keine erklärung des sinnes liefern, der die einäscherung rechtfertigt, außer der platzeinsparung auf dem friedhof. und dass es menschen gibt, die die vorstellung nicht ertragen, dass nach dem tod ihr körper von maden und insekten zerfressen würde.
wie um das ganze gespräch leibhaftig illustrieren zu wollen, lag ein hundekadaver in einem karton am wegesrand – versehen mit einer zweideutigen botschaft.

kurze zeit später betraten wir die medina von salé. gleich zu anfang saß da ein kleiner opa, der seltsame runde, rote früchte an einem grashalm aufgereiht feilbot. es handele sich hierbei um früchte aus den bergen. ich habe nicht so richtig verstanden, von welcher pflanze sie stammen, denn zu der zeit unterhielten wir uns zu übungszwecken mal wieder auf französisch. die beeren schmeckten leicht süß und etwas mehlig. vor allem aber sahen sie sehr hübsch aus.

ich war wieder einmal froh einen patenten einheimischen begleiter an meiner seite zu haben. hier in der altstadt habe ich überhaupt keinen ausländer mehr gesehen. ich fühlte mich nur sicher, weil adil da war. und so konnte ich auch ein paar fotos machen. dieser mann hier war betrunken oder auf klebstoff. natürlich wollte er nach ein paar floskeln geld. ohne meinen begleiter hätte ich ihn nicht so leicht los bekommen. man sieht leider des öfteren etwas verwahrloste gestalten, die ziemlich nach lösungsmitteln riechen. sie betäuben sich mit leim. das hat zur folge, dass sie einen rauschähnlichen zustand erleben und aber gleichzeitig unberechenbar und auch agressiv werden können. also vorsicht bei typen, die den geruch von lösungsmitteln verströmen! diese menschen sind übrigens sehr arm dran. nicht nur dass der leim die nasenschleimhäute zerzetzt. ich glaube, er macht auch sehr abhängig und krank. sie sehen jedenfalls nie gut aus. man sieht es an der haut.

die altstadt von salé ist eigentlich sehr hübsch. nicht besonders prächtig aber alt. man kann sich gut vorstellen, wie hier früher die seeleute gelebt und gearbeitet haben. sicher waren auch hier korsaren und piraten zugange. es gibt viele kleine gässchen und verwinkelte ecken. mitten drin findet man eine schicke alte koranschule, die medersa.

[hier sieht man adil, wie er einer gebrechlichen omi behilflich ist.]

die einkaufsstraßen und -gassen sind ebenfalls sehr eng. ich habe mir bei einer netten frau einen faden und eine nadel für 4 dh gekauft – das sind 40 cent. es gibt viele gute stoffläden, wovon auch elisabeth schon schwärmte. ich war allerdings auf der suche nach einer gitarrensaite, denn die fehlt an meiner spanischen leihgitarre. nach einigem fragen fanden wir den einzigen laden für gitarren und andere instrumente. der verkäufer war ein unsympatischer geschäftemacher. er wollte mir den satz saiten für 100 dh verkaufen (also 10 €). ich hatte eh nur noch 60 dh. wir feilschten etwas ungekonnt (auch adil war nicht besonders gut). am ende hat er uns dann doch übers ohr gehauen, indem er mir eine saite für 20 dh verscherbelte. naja. egal. dann freuen sich eben alle: die eine über die saite und der andere über mehr geld als die ware wert ist. (grrr…)

wir liefen und liefen und liefen. adil wollte mir noch sein wohnviertel zeigen. dafür mussten wir erneut eine lange straße entlang. es war schon längst dunkel geworden. an einem kleinen bäckerladen machten wir halt, weil dort davor eine oma diese leckeren pfannkuchen zubereitete. ich nahm einen mit honig. adil aß ein süßes brot, auch mit honig. dann liefen wir noch ein stück und kamen auch an der schule vorbei, in der ich das projekt mache. und nicht weit davon entfernt setzte mich mein begleiter dann in ein taxi und ich fuhr (ganz mutig – alleine!) wieder zurück nach rabat. danke adil. das war ein schöner tag.